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Ist Wikipedia eine freie Enzyklopädie oder eine Wissensdiktatur

Wikipedia die freie Enzyklopädie

Liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß nicht wie es Ihnen geht, doch ich möchte Wikipedia nicht mehr missen. Ich benutze es regelmäßig für Recherchen oder einfach um kurz etwas nachzuschlagen und so die wichtigsten Informationen zu Themen, Begriffen, Ländern oder was auch immer schnell zu finden.

Am Wochenende ist etwas passiert, dass mich an diesem durchweg positiven Bild von Wikipedia zweifeln lässt. Doch fangen wir von vorne an:

Franziska Köppe, Eine Leserin meines Buchs und eine aktive Unterstützerin der Ideen daraus – vor allem der Idee der Sinnkopplung – hat sich entschlossen, den Begriff Sinnkopplung in Wikipedia aufzunehmen. Das hat dann wohl am späten Freitagabend auch geklappt. Kaum war der Beitrag auf der freien Enzyklopädie online, wurde eine Löschdiskussion dazu begonnen.

So weit, so gut. Ich verstehe, dass Wikipedia nicht jeden Wortschrott aufnehmen möchte. Dennoch dachte auch ich im ersten Moment, als mir Franziska voll Stolz den Link zugeschickt hat. Bei dieser Diskussion geht es um eine konstruktive Auseinandersetzung zum Inhalt. So war beispielsweise aus der ersten Kritik herauszulesen, dass einige Absätze zu „sehr“ an Werbung erinnerten.

Diese Absätze wurden von Franziska flink angepasst/ aus dem Artikel gelöscht. Jetzt – dache sie – wird der Artikel frei geben und Sinnkopplung ist auch in Wikipedia als Begriff zu finden. Mit dieser Freude ging sie ins Wochenende, um von Samstag auf Sonntag festzustellen:

  • Die Löschdiskussion ist nach wie vor aktiv und
  • Der Wikipedia-Artikel, der  auf die faktische Existenz ihres Unternehmens verwies und bis dahin ohne Kritik in Wikipedia zu finden war – wurde ohne weiteren Kommentar oder eine Löschdiskussion aus der Enzyklopädie entfernt.

Es scheint fast so, als ob man hier Franziska Angst machen/ drohen möchte, doch nicht in Löschdiskussionen der Wikipedia-Administratoren einzugreifen und für so sinnlose Begriffe wie Sinnkopplung zu kämpfen.

Wikipedia verweist auf mangelnde Verbreitung des Begriffs und daraus abgeleitet den Verdacht auf Theoriebildung/ Begriffsetablierung.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen die neutrale Haltung von Wikipedia mit Bezug auf den Sinnkopplungs-Artikel. Auch wenn ich finde, dass er wissenschaftlich von Viktor Frankl angefangen bis Tatjana Schnell heute eine tiefe psychologische Basis aufweist, die nichts dafür kann, dass sich quantitativ nur wenige Wissenschaftler damit auseinander gesetzt haben.

Auch die Nutzung von Sinnkopplung sowohl in meinem Buch wie auch in Büchern von Dr. Andreas Zeuch und Niels Pfläging und in verschiedenen Abschlussarbeiten sind als Sekundärliteratur zu nennen. Womit eine gewisse Verbreitung des Begriffs durchaus gegeben ist.

Hätte Wikipedia den Artikeln in einer sauber geführten Diskussion dennoch abgelehnt und gelöscht, dann wäre das eben so gewesen. Allerdings hintenrum Druck aufbauen, in dem man Einträge von diskutierenden Nutzern kommentarlos löscht. Ist das ein gebührliches Verhalten für eine Plattform mit dem Ansehen von Wikipedia?

Ich kann den Artikel von Franziska nicht mehr zurückbringen, doch ich kann das meine dazu tun, dass es ihnen schwerer fällt, den Artikel über Sinnkopplung zu löschen und so die ganze Arbeit von Franziska noch weiter zu entwerten. Deshalb möchte ich alle bitten, die den Begriff Sinnkopplung nutzen, Wikipedia seine reale Verbreitung aufzuzeigen. Ich weiß, es hat ein Gschmäckle, dass dazu ausgerechnet der Autor aufruft, der im Artikel als der Erfinder des Wortes genannt wird. Doch sehe ich kaum andere, denn sonst hat bisher kaum jemand mitbekommen, dass es den Artikel sowie eine Diskussion darum gibt. Bei Franziska haben die Wikipedia-Trolle das ihre erreicht, sie hat keine Lust mehr, sich auf dem Niveau auseinander zu setzen. Meine Frage ist: Lassen wir sie damit durchkommen?

Wenn nicht, solltet ihr zum einen an der Löschdiskussion teilnehmen und zum anderen Kollegen, Bekannte, Kunden etc. mit denen ihr den Begriff der Sinnkopplung teilt, ebenfalls dazu ermuntern. Natürlich freue ich mich auch über Blogartikel, die helfen, das Verhalten von Wikipedia um Franziska, den Begriff und seine Verbreitung sichtbar zu machen!

Sollte in den kommenden vier Tagen niemand dafür die Energie und Zeit haben, dann haben die von Wikipedia wohl Recht ;).

Was die Löschung von Franziskas anderem Artikel allerdings weiterhin kaum rechtfertigt.

Wir wollen denken und heute auch mal handeln!
Gebhard

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Eingeordnet unter off record

Technologien lassen uns ins Schwärmen kommen [1]

Verwaltung löst den sozialen Prozess vom einzelnen Menschen. Sie organisiert sozusagen die Verantwortungslosigkeit. Durch sie können wir unsere Verantwortung abgeben, uns um das Zwischenmenschliche zu kümmern. Die kollektiven Ergebnisse dieses Mechanismus sind:

  • Wissensgläubigkeit anstelle von selbständigem Denken.
  • Fähnchen im Wind anstelle von Leistung.
  • Egoistische Kurzfristoptimierung anstelle von intelligentem Umgang mit begrenzten Ressourcen.

Vorurteile wie:

„Jeder Mensch ist, für sich genommen, einigermaßen vernünftig und rational – als Mitglied einer Menge aber wird er prompt zum Dummkopf“
Bernard Baruch – Börsenspekulant

„Die Masse erreicht niemals das geistige Niveau ihres herausragendsten Mitglieds, sondern sinkt vielmehr auf das unterste individuelle Niveau in ihren Reihen“
Henry David Thoreau – Schriftsteller und Philosoph

„Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen die Regel.“
Friedrich Nietzsche – Philosoph, Dichter und Philologe

blockieren uns darin, Massen und die in ihnen wohnende Intelligenz als Ressource zu nutzen und den sozialen Prozess wieder an uns Menschen zu koppeln. Natürlich gibt es ihn, den tumben Mob, vor dem wir uns alle fürchten. Sein Zustandekommen ist allerdings kein Naturgesetz. Wir erleben jeden Tag, wie Massenintelligenz geht.

  • Niemand würde in Google etwas finden, wenn es nicht auch die Menschen gäbe, die darüber nachdenken, wie man sie und ihr Wissen finden kann. Eben Menschen, die den Nutzen des anderen sehen, die irgendwie – sei es intuitiv, aus Neugierde, aufgrund ihrer Wahrnehmung ganz allgemein oder emotional – diesen Nutzen verstehen und anbieten. Google organisiert höchst erfolgreich und effektiv den Austausch von Informationen und sozialer Interaktion fast ohne zentrale Koordination.
  • Wikipedia und Wikis gäbe es gar nicht oder nur in einer äußerst mangelhaften Qualität, würden sich die einen nicht ganz unkoordiniert um die anderen und deren Informationsqualität sorgen. Es reicht, der zwischenmenschlichen Kommunikation den Raum zu geben, die Diskussion über die Inhalte transparent und die Teilnehmer greifbar zu machen. So kommt eine intelligente Masse ans Arbeiten.
  • Twitter zeigt Oppositionellen im Iran, in Tunesien und in Ägypten, dass sie nicht alleine, abgeschnitten von der Welt, ohne Aufmerksamkeit, Zuwendung und Unterstützung ja sogar Liebe sind. Hier ist eine anonyme intelligente Masse ein Puzzlestück im Bild einer ganz neuen demokratischen Weltordnung, die ein diktatorisches Regime zur Mäßigung bewegt, ohne dass es eine demokratische Opposition im eigenen Land gibt.
  • In der Gesellschaft sind intelligente Massen längst angekommen. Die Phänomene reichen von sich ad hoc (emergent) zusammen findenden Gruppen, ähnlich der Onlineopposition im Iran Beispiel, bis hin zu kontinuierlicher gemeinsamer Arbeit über Länder-, Unternehmens-, Branchen-, Fach-, Gebiets und Kulturgrenzen hinweg. Wie etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen neu auftauchende mögliche Epidemien.

Um sich von den falsch verstehbaren kollektiven Teams (siehe Kapitel 1) abzugrenzen, werden diese neuen Gruppierungen Schwärme genannt. Nach ihren Vorbildern aus der Tierwelt. Um sie geht es, will man der Organisationsintelligenz auf den Grund gehen oder dezentrales Wissen nutzbar machen. Vögel, Ameisen und Bienen lassen uns staunen ob ihrer Schwarm-Intelligenz. Dabei kennt man aus der Tierwelt maßgeblich physische Intelligenz in der Abstimmung von Bewegungen und Interaktionen, die einem beim Anblick von Schwärmen den Eindruck einer Einheit geben, obwohl sich teilweise tausende von Tieren miteinander, zueinander und in Abhängigkeit voneinander bewegen.
Dennoch zeigen zum Beispiel Bienen, wie James Surowiecki beschreibt, auch eine im Schwarm intelligente Lösung bei der Auswahl von lukrativen Blumenfeldern (Märkten). Sie teilt sich in zwei Phasen. In der ersten Phase werden die möglichen Alternativen überhaupt erst aufgespürt, dazu fliegen Kundschafterbienen in viele verschiedene Richtungen, im Vertrauen darauf, dass mindestens eine das beste Feld entdeckt, heimkehrt und einen guten Tanz aufführt. Die zweite Phase, die Selektion, ist überhaupt erst die Entscheidung für das Blumenfeld, welches fortan angeflogen und bestäubt wird. Über beide Phasen wird das System, der Schwarm, erfolgreich, indem er zuerst viele unterschiedliche Alternativen findet, dann viele Verlierer identifiziert und ohne Unterscheidung zwischen den einzelnen Bienen akzeptiert. Radikale Reduktion der Alternativen und entsprechend viele Verlierer sind hier gewollt und willkommen, keiner fühlt sich auf den Schlips getreten. Anschließend wird das augenscheinlich beste Feld von der durch den Tanz beeindruckten Masse ausgewählt und bearbeitet.

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