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Menschen – Koks für Unternehmen

Viktor E. Frankl benennt drei Hauptstrassen für Sinnfindung. Und diese drei Hauptstrassen beschreiben die Derivate der Droge Homo Sapiens, die ein Unternehmen abhängig, dabei dauerhaft gesund und high von seinen Menschen macht. Sie sind so etwas wie das Grundrezept für einen konstant hohen Level von Glückshormonen in Organisationen.

Die erste Strasse trägt den Namen „Eine Tat setzen“
Bietet ein Unternehmen den Platz, in dem Menschen etwas (er-)schaffen können – will heißen: Raus aus der üblichen Enge, die angefüllt ist mit Regeln, Pflichten und politischen Stolperfallen und rein in eine weite Halle voller Raum etwas zu tun – dann bietet ein Unternehmen Fläche für Sinnkopplung, für die sich Menschen entscheiden, so wie Andy es getan hat.
Auch wenn es ihm eine ganze Zeit unwirklich erscheint, und er, wie viele von uns, aufgrund unserer gesellschaftlichen Prägung nur schwer glauben kann, dass seine Firma wirklich dem Vorrang gibt, was Sinn hat und alles andere aktiv zu vermeiden sucht, dann zeigt Andy uns: Unternehmen, die Menschen wie ihn von der Leine lassen, bereuen es nicht!

Die zweite Strasse heißt „etwas oder jemanden erleben“
Frankl beschreibt diese Straße so: „Eine Situation oder einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen in ihrer ganzen Einmaligkeit und Einzigartigkeit erleben heißt zu lieben.“ So wie Michael seine Gespräche und Gesprächspartner liebt, wie er die unwiederbringliche Intelligenz in jeder einzelnen Unterhaltung liebt.
Er arbeitet nicht, um Geld zu verdienen und ist dennoch wirtschaftlich äußerst erfolgreich. Er steht nicht morgens auf, um die nächste Hierarchiestufe zu erklimmen und trotzdem hat er keine Probleme aufzustehen. Er tut es, weil es für ihn sinnvoll ist und natürlich gibt er alles was er hat und schöpft sein gesamtes Leistungspotential für seine Arbeit aus, ist doch (psycho-)logisch!

Die dritte Strasse nennt sich „Konfrontation mit dem Schicksal“
In der Welt der abhängigen Beschäftigten beschützen Führungskräfte leider ihre Mitarbeiter. Erinnern Sie sich noch an den Satz: „Dafür sind meine Mitarbeiter noch nicht bereit.“ Die erschreckende Wahrheit liegt darin, dass sie nicht nur bereit sind, sondern dass gerade auch die Auseinandersetzung mit schicksalhaften Umständen ihre Sinnkopplung an das Unternehmen unterstützt.
Als die Führungskraft erkannt und akzeptiert hatte, dass im Unternehmen systematisch gemobbt wird, reagierte sie mit einem nachdrücklichen Bekenntnis zur Firma und zu den Kollegen und sah es von da an als ein persönliches Ziel, dieses System des Mobbings aus den Strukturen des Unternehmens und den Verhaltensweisen der Kollegen zu tilgen. Dabei wurde der Blick für das Unternehmen geschärft, während die Durchsetzung persönlicher Machtinteressen immer unwichtiger wurde.

Konsequent die Freiheit zur Sinnkopplung anzustreben und zu bewahren – als Unternehmen, als Führungskraft und als Mensch – ist nicht nur möglich, es ist nötig. Alles andere heißt, weiterhin darauf hoffen zu müssen, dass uns das Zehntel der fröhlich, euphorisch und laut lachenden sinngekoppelten Menschen an ihrer Sinnerfüllung ab und zu Anteil nehmen lassen, während wir mit traurigen, leeren und verbitterten Augen vom Rand des Trottoir zu ihnen hinüber schauen, kurz bevor sich das Fenster des nächsten Freiers vor uns senkt.

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Ziele vergehen, Sinn bleibt

Am 05. Oktober hatte das alles noch Sinn: die Bewerbungsunterlagen auf Stand bringen und an die Versicherungsgesellschaft schicken, die die Stelle des Projektmanagers m/w mit Berufserfahrung und spezieller Expertise in der methodischen Begleitung von Gruppen ausgeschrieben hatte.

Das Gespräch mit der Bank für den Fall, dass aus der Stelle nichts werden sollte und natürlich die Telefonate mit den alten Kontakten aus der Zeit vor dem Zerbrechen der geschäftlichen Partnerschaft. Und jetzt hatte das alles gar keinen Sinn mehr, jetzt hatte sie wieder Wasser unterm Kiel, doch wie war es dazu gekommen?

Sabine knabberte noch immer daran wie schnell alles zu Ende gegangen war. Im Sommer hatten sie zusammen die Ziele für die nächste 36 Monate fixiert. Eine gute Zukunft lag vor ihr. Businessplan, Bankgespräche, Kreditbewilligung, Gründung der GmbH mit ihr und den beiden anderen als Geschäftsführer. Die Vertriebskanäle waren definiert und noch vor wenigen Tagen hatte sie die neue PR-Beraterin gebrieft.
Dann gab es ein unerfreuliches Gespräch mit einem Kunden. Ergebnis seitens des Kunden: Sein Budget passte ganz und gar nicht zur Höhe des Angebots. Da musste nachgebessert werden, ein neues Angebot war zu erstellen und alles andere, was damit einherging. Doch dann das Gespräch mit den Partnern. Plötzlich war entscheidend, wer die Schuld daran trug, dass das Kundengespräch nicht die erwartete Beauftragung eingebracht hatte.
Zuerst viel Gerede und am Ende ein Vorschlag, zu welchen Bedingungen Sabine bleiben konnte: Keine Partnerschaft mehr in der GmbH und auch keine Geschäftsführungsposition, Prokuristin ohne Handlungsbefugnis, alle Entscheidungen über Achthundert Euro mussten mit den beiden anderen abgestimmt werden, keine weiteren Kundenkontakte durch sie alleine und zum guten Schluss die Botschaft: Das Gehalt würde noch bis Ende Januar weiter bezahlt werden, ab dann wäre sie verpflichtet ihr Einkommen selbst zu generieren.
Und das alles nach 18 Monaten, in denen Sabine ihr eigenes Geschäft vollständig auf Pause gestellt und alle Energie sowie ihr gesamtes erspartes Kapital in die Partnerschaft eingebracht hatte. Ihre Kollegen wussten, dass Ihr Geld verbraucht und stattdessen rund vierzig tausend Euro Schulden aufgelaufen waren. Sie konnte unter Druck gesetzt werden.  Für das Unternehmen war die Situation gut: zwei statt drei Geschäftsführer und ab Februar ein Drittel weniger Fixkosten.

Erpressbar und keineswegs guter Dinge erinnerte sich Sabine, was bei dem österreichischen Psychologen Viktor Frankl zu lesen war, der das KZ überlebt hatte:

„Dort wo der Mensch mit dem Schicksal konfrontiert als hilfloses Opfer mitten in eine hoffnungslose Situation gestellt wird, ist er aufgerufen zu beweisen wessen er und er alleine fähig ist.“

Sie hatte bei den Worten immer an Schicksale wie Krieg, Hunger oder eine Naturkatastrophe gedacht und sicherlich nicht an ihr Leben in einem Wohlstandsland. Dennoch stand sie genau hier und jetzt diesem Schicksal gegenüber. Klein beigeben und sich billig verkaufen oder Harz IV und Schuldnerberatung, so boten sich Sabines Alternativen dar.

Als sie zum letzten Mal das gemeinsame Büro verließ, war ihr speiübel, sie war bleich und zitterte am ganzen Körper, doch erpressen lassen hatte sie sich nicht.
Ende Oktober, kaum einen Monat später, sah sie in eine andere Zukunft. Eine Woche nach ihrer schicksalhaften Entscheidung hatte das Telefon geklingelt. Sie hatte auf eine positive Nachricht von der Versicherungsgesellschaft bezüglich der Stellenausschreibung gehofft, stattdessen rief ein ehemaliger Kunde an, der verfrüht aus seinem Auslandsaufenthalt zurück gekommen war und ihr ein Projekt anbot. Gestern hatte sie den Vorstellungstermin und ab dem ersten November würde sie vor Ort eine Softwareimplementierung betreuen. Alles hatte Sinn, ja, dachte sie mit einem Lächeln, eigentlich hat es immer Sinn gehabt, selbst als die Situation ausweglos war.

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