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Das kollektive Grauen oder: Teams gehören beerdigt!

In den letzen Tagen bin ich gleich auf drei verschiedene wertvolle Links zu Artikeln hingewiesen worden, die etwas mit Teamwork zu tun haben. Meine Hinweisgeber Erich Feldmeier, Jan Fischbach und Immo Sennewald kennen Affenmärchen und damit natürlich auch meine Thesen hinsichtlich erfolgreicher Zusammenarbeit und der Intelligenz von Gruppen. Mit den Artikeln ist mir wieder aufgefallen wie wichtig es ist, sich keinen Wunschvorstellungen hinzugeben und zugleich zu erkennen, wie viel ungenutztes Potential noch in der Intelligenz von Gruppen liegt.

Diesen Streifzug durch die Thematik möchte ich mit „Die Macht der Meute“ beginnen. Es ist ein Beitrag über Gruppen- und damit auch Teamkultur. Immo Sennewald weißt auf den Umstand hin, wie einfach man sich in einer Gruppe auch verstecken kann. Wie viel Sicherheit einem eine Gruppe gibt, gerade wenn Eigenständigkeit gefordert ist. Und wie dieser Gruppenzusammenhalt, diese Sippschaft uns davon abhält, demokratisch – auf Grundalge von selbständigem Denken – zu handeln.
Für die grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema verweist er auf  das Buch „Masse und Macht“ von Elias Canetti.

Ich nehme aus dem Beitrag von Immo mit: In Teams und Gruppen gilt es aufmerksam und kritisch zu sein, wenn man die eigene Ideologie gebraucht, um andere Meinungen und anderes Denken kategorisch abzulehnen.

In Affenmärchen findet sich dieser Appell zur Aufmerksamkeit wenn es darum geht, ob eine klare Identität wirklich hilfreich und sinnvoll für die Betriebswirtschaft ist – mehr lesen … .
Teams sind auch ein Raum, in dem man sich sozial und vor der eigenen Verantwortung verstecken kann. Jeder von uns ist schon einmal und wird auch wieder mitlaufen. Dennoch verlangt eine menschliche Betriebswirtschaft von uns, dass wir uns selbst hinterfragen, ob wir augenblicklich nur deshalb keinen Widerstand leistet, weil wir sonst auf das wohlige Gefühl verzichten müssten, in der Masse geborgen zu sein.

Wechseln wir nun von den Gefilden der Kultur, Toleranz und Demokratie zu einer Studie und einem Blogbeitrag über diese Studie, auf die mich Erich Feldmeier aufmerksam gemacht hat. Der Artikel ist überschrieben mit „Beratungsresistenz – Warum Teams falsche Entscheidungen treffen“. In der Studie kommen die Autorinnen Julia Minson und Jennifer Mueller zum Fazit:

Im Alltag treffen wir viele Entscheidungen lieber erst, nachdem wir uns mit anderen beraten haben. Dahinter steckt die Annahme, dass Gruppenentscheidungen besser sind als individuelle. Der Grund: Einem Beschluss, den wir in der Gruppe fassen, vertrauen wir stärker – doch diese Selbstsicherheit hat bisweilen einen hohen Preis. Denn sie hält uns davon ab, auf den Rat von anderen zu hören.

Die Autorinnen der Studie sehen ihre Ergebnisse nicht als Argument gegen Teamwork. Es sollte nur die Klarheit darüber gefördert werden, dass arbeiten in einer Gruppe auch Nachteile mit sich bringt. Der Nachteil, auf den sie in ihrer Studie hinweisen ist die Entscheidungskompetenz von Gruppen. Sie wird deutlich in Frage gestellt. So sind Gruppenentscheide im Vergleich zu Einzelentscheiden zwar im Durchschnitt besser. Sobald allerdings der Einzelentscheider andere Ratgeber konsultiert bevor er entscheidet, wird seine Entscheidungsqualität gegenüber der der Gruppe besser, da sich die Gruppe gegen Ratschläge von Teamfremden wehrt.
Dies scheint oberflächlich im Widerspruch zu  meinen Aussagen in Affenmärchen „Masse mit Klasse“ oder „In Masse intelligent Sinn finden anstatt gesund zu verdummen“ zu stehen. Bei genauerem Hinschauen stellt sich heraus:

  • Bedingungen für intelligente Massenentscheide sind Gruppenunabhängigkeit und Gruppengröße!
    Soziale Abhängigkeiten innerhalb der Gruppe verschlechtern erkennbar die Qualität von Gruppenentscheiden und zu kleine Gruppen (wie etwa Teams von ≤ 20 Personen) haben tendenziell zu wenig Unterschiede in ihren Meinungen, ihrem Wissen und ihrer Weltanschauung (siehe oben) – mehr lesen …
  • Es besteht immer die Gefahr des Gemein(Wahn)sinns, der einen davon abhält die Wirklichkeit und ihre Widrigkeiten zu erkennen und/ oder zu akzeptieren (siehe ebenfalls oben).
    Sobald sich ein Team einig ist und seine Mitglieder an einen gemeinsamen Sinn ankoppeln wird die Meinung dieser Gruppe mächtiger und ihre Entscheidungen sind gefestigter, als dies bei einem einzelnen Menschen jemals sein könnte. Dies geschieht sowohl positiv wie auch negativ – mehr lesen …

Die Studie zeigt für mich einen ganz praktischen Weg, um mit diesen „blinden Flecken“ von Teams umzugehen: Externe Beratung! Hier zeigt sich einer der tatsächlichen Mehrwerte von Beratern: Deren eigene und hoffentlich selbständig gewonnene Erfahrungen, Erkenntnisse und Meinungen. Dabei ist genau auf den Berater zu achten. Denn, wie die Studie zeigt, Nach-dem-Mund-Redner – wie es leider immer noch zu viele Berater sind – helfen an dieser Stelle nicht weiter. Man sollte sich einen streitbaren Geist suchen, der kein Problem damit hat zu sagen: Hört sich erst einmal plausibel an, verstehe ich allerdings noch nicht.

Dieser operative Ratschlag führt mich zum dritten Link: „Ist Teamwork noch sinnvoll?“
Der hier zu findende Beitrag beginnt mit der Provokation: „Personen erzeugen in Einzelarbeit bessere Ideen und Ergebnisse und sie tun es sogar schneller als Teams“ und erläutert dann am praktischen Beispiel des Brain Storming, wie Teamarbeit individuelle Leistungsfähigkeit und die Leistung der Gruppe reduziert wenn nicht sogar blockiert. Am Ende des Artikels findet sich eine Liste von Punkten, die für eine erfolgreiche Kombination aus Einzelleistung und Teamarbeit umgesetzt sein sollte:

  1. Getrennte Arbeitsplätze – keine Großraumbüros
  2. Results-Only Atmosphäre: die Anforderungen des Endergebnisses sollten klar definiert und vereinbart werden. Aber, die Art und Weise, wie das erzielte Ergebnis erreicht wird, muss so viel wie möglich dem Einzelnen überlassen werden.
  3. Gemeinsame Räume für einen informellen Austausch
  4. Meetings nur dann, wenn Entscheidungen erforderlich sind
  5. Keine Meetings oder Workshops ohne Vorbereitung (durch jeden Teilnehmer)
  6. Der Aufbau einer „Fehlerkultur“, wo „den Mut, Fehler zu machen“ als höchstes Gut gesehen wird. Alle Fehler sind erlaubt, einmal.
  7. Eine „keine Unterbrechung“ Kultur, wo das Ignorieren eines klingelnden Telefons erlaubt ist.


In allen Beiträgen wird deutlich: Das aktuell dominante sachzentrierte Denken der Betriebswirtschaft kann aus Teams nur schwerlich die in ihnen liegenden Potentiale als wirkliche Leistung schöpfen. So kommen wir kaum über die effiziente Koordination von Kollektiven hinaus.

Teamwork, das auf menschzentriertem Denken fußt, steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Vergleicht man es mit einem Lernmodell für individuelle Entwicklung, sind hier die meisten von uns in der 1. Phase der unbewussten Inkompetenz unterwegs. Allerdings treten zunehmend Menschen in die 2. Phase der bewussten Inkompetenz ein. Einige arbeiten bereits seit geraumer Zeit an dieser Inkompetenz und finden sich in der 3. Phase der bewussten Kompetenz wieder. Sie müssen ihre Kompetenz nur weiterhin überall dort wiederholen, wo sie können und kommen automatisch in die 4. Phase der unbewussten Kompetenz. Zum besseren Verständnis hier eine Graphik, in der ich die Phasen anhand des Autofahren-Lernens verdeutliche:

Persönliche Entwicklungsphasen

Ich würde mich freuen wenn sich mehr Menschen auf den Weg machen und unsere Kinder menschzentrierte Teamarbeit in einer Normalität erlernen, wie heutige Jugendliche das Autofahren!

Beste Grüße
Gebhard Borck

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Operation Monkey Business News Ticker

Liebe Leserinnen und Leser,

die Operation Monkey Business hat einen blitzsauberen Start hingelegt. Nach nunmehr 10 Tagen sind knapp 20% der benötigten Summe finanziert. Das ist gut, allerdings nicht einmal annähernd ausreichend ;)!

Auf der Social Media Night konnte ich neue Kontakte knüpfen, die mich sofort zur nächsten Veranstaltung in meiner Heimatstadt Pforzheim getragen haben.

Gestern Abend, den 14. Juni, um 19:30 war ich im Cafe Roland in der Theaterstrasse 21 in Pforzheim um über die Operation Monkey Business zu sprechen! Diese Empfehlung habe ich meinem Fan und Supporter Friedel Völker zu verdanken. Vielen Dank Friedel, weiter so! Bereits letzte Woche wurde für die Operation Monkey Business auf anderen Blogs geworben:

  • Bernd Geropp provoziert mit der These: Warum Sie mit einer Vision keinen Sinn stiften können! Er hat darin eines meiner wichtigsten Anliegen erkannt: Ich will nicht recht haben, mit dem was ich sage, ich will, dass wir anfangen nachzudenken! Wer über die Diskussion zu meinen Inhalten anfängt unser Wirtschaften zu hinterfragen, den habe ich erreicht ;)!
  • Immo Sennewald hat dem Buch geholfen zu entstehen. Seitdem ist er immer ein aktiver Unterstützer, wenn es darum geht, die Inhalte in die Welt zu tragen. Aktuell berichtet er von Affenmärchen und Menschenträumen. Er weist darauf hin, dass die Binsenweisheit, wonach die Menschen den Dingen überzuordnen sind, leider noch viel zu selten in der Realität angekommen ist. Vielen Dank Immo, dass Du den Weg mitgehst!
  • Anfang dieser Woche hat Conny Dethloff Flagge gezeigt und bekannt: Operation Monkey Business – ich bin dabei. Er greift den Vergleich zwischen der Betriebswirtschaftslehre und sinnvollem Wirtschaften auf. Aus ihm führt er aus, wie weit wir noch vom sinnvollen Wirtschaften entfernt sind. Ich  freue mich, dass ein Denker und im besten Sinne Dickbrettborer wie Conny mich unterstützt!
  • Am Montag ist still und leise die Aktion: In 80 Tagen um die Welt gestartet. So still wie sie gestartet ist, soll sie auf keinen Fall enden. praktisch NACHHALTIG eröffnet auf der eigenen Webseite den Raum für die Reise der Operation Monkey Business um die Welt. Folgende Schritte machen diese Reise perfekt:
    1. Mitmachen als Fan oder Supporter
    2. Überlegen wer die am weitesten entfernten Kontakte sind, denen man von der Aktion erzählen kann.
    3. Sie zur Aktion einladen.
    4. Auf der Website von In 80 Tagen um die Welt nachschauen, wer teilgenommen hat.
    5. Die Operation Monkey Business in 80 Tagen mindestens einmal um die Welt schicken

Ihr, die ihr mich so tatkräftig unterstütz, vielen Dank dafür und lasst nicht nach ;)!

Ihr, die ihr noch unentschlossen seid: Gebt Euch einen Ruck, macht mit bei den Aktionen der anderen, kommentiert die Blogbeiträge und/ oder empfehlt sie weiter.

Ich bin überzeugt: Der Affenmärchen-Blog hat verdient, auch in der Welt präsent und diskutiert zu sein. Ohne Eure Unterstützung kann das nicht gelingen – jeder Euro zählt! Hier noch drei gute Gründe mitzumachen, die letzte Woche in Gesprächen über die Aktion entstanden sind:

  • Weil die Aktion und die Menschen, die hinter ihr stehen gut, ehrlich und authentisch sind. Es ist wichtig, dass wir anfangen zu denken, wollen wir Arbeit, die Spaß macht, Wohlstand schafft und Sinn hat.
  • Fast jede/r kennt Menschen, die kein Deutsch sprechen. Dennoch würden viele gerne mit diesen Menschen einmal über die notwendige Veränderung der Arbeit und die Ansätze dazu aus Affenmärchen sprechen. Das ginge viel leichter, wenn man sich anhand eines gemeinsamen englischen Textes austauschen kann.
  • In Kontinental-Europa haben die Ideen der Betriebswirtschaft seit jeher auch Wurzeln in der Aufklärung und dem Humanismus. So entstehen Gesellschaften, die eine soziale Marktwirtschaft dem radikaleren angelsächsischen Kapitalismus vorziehen. Es wird Zeit, dass wir die Ideen, die über die Entwicklung des Managements aus dem Herzen Europas kommen,  verstärkt in der Welt diskutieren.

Wir wollen denken!
Gebhard

Hier klicken für mehr Artikel zur Operation Monkey Business.

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Operation Monkey Business News Ticker

Liebe Leserinnen und Leser,

seit zwei Tagen läuft nun die Finanzierungsphase zur Übersetzung von Affenmärchen ins Englische.

Erstes Fazit: Wir sind gut unterwegs!

Kaum war die Finanzierungsphase gestartet schon gab es das erste Geld und übers Wochenende sollten wir die ersten 10% der Finanzierung erreichen. So großartig dieser Erfolg ist, so wenig ist ein Zehntel bei einem Alles-oder-Nichts-Projekt.

Die Herausforderung ist jetzt, die Operation Monkey Business über meine Zirkel hinaus zu tragen. Hierfür gehe ich nächste Woche, am 06 Juni auf die Social Media Night und stelle das Projekt dort vor. Wer noch eine Eintrittskarte haben möchte – die Veranstaltung ist ausverkauft – kann bis nächste Woche öffentlich für das Projekt werben, uns darauf aufmerksam machen und sich bei Franziska eine Eintrittskarte sichern [auch wir haben nur noch 2 zu vergeben ;)].
Franziska hat erreicht, dass wir bei starnext auf der Empfehlungsseite gelandet sind und damit zu den 20 Projekten gehören, die direkt auf der Startseite auftauchen!

Doch auch Fans des Projekts auf startnext haben bereits ganz tolle Ideen gehabt, wie man für die Aktion werben kann:

  • Markus Stegfellner druckt sich den QR-Code zur Projektseite auf startnext als Aufsteller aus (Aufdruck auf der unteren Hälfte eines 100gr DinA4-Blatts, das Blatt in der Mitte knicken und schon ist der Aufsteller fertig). Dann nimmt er die Aufsteller mit auf seine nächsten öffentlichen Termine zu Veranstaltungen in Berlin, Kärnten und Wien.
    Vielen Dank Markus für Dein Engagement und die gute Idee! Natürlich kann man das auch noch weiter spinnen und bspw. Aufkleber machen und verteilen, den QR-Code auf ein T-Shirt drucken und so weiter und so fort.
  • Immo Sennewald ist mit gutem Beispiel voran gegangen und hat einen Betrag von 15 Euro beigesteuert. Jetzt ist er unterwegs und stiftet besser verdienende Stifter an, mitzumachen.
  • Bernd Geropp schreibt einen Beitrag in seinem deutschen und seinem englischen Blog – außerdem hat er noch eine Überraschung vor, auf die wir uns freuen.
  • Auch bei Marcus Raitner, Niels Warnecke, Eberhard Huber, Conny Dethloff und Immo Sennewald werden wir bald Neuigkeiten in ihrem Blog zur Operation Monkey Business lesen.
  • Stefan Hagen hat gestern seine Rezension zu Affenmärchen auf seinem Blog online gestellt und mir damit bereist über 50 Besucher auf diesem Blog geschenkt

Wer hat noch weitere Ideen, wie man die Aktion verbreiten kann (vielleicht sogar international)? Wer kennt jemanden bei der Presse, der sich für unsere Geschichte interessiert? Wer hat Lust eine Guerilla-Aktion zu machen? Wer macht das erste YouTube-Antwort-Video zum Projektfilm?

Wenn Ihr Unterstützung braucht, meldet Euch bitte bei mir oder bei Franziska, Danke!

Neben der Verbreitung gibt es auch tolle Ideen, um zu tatsächlichen Einzahlungen zu kommen. Denn nur die lassen sich am Ende zählen ;)!

Gestern hatte ich ein Gespräch. Die Anruferin wollte wissen, ob auch Firmen und Organisationen als Gruppen zusammen legen können, um das Dankeschön des persönlichen Besuchs von mir zu bekommen?
Natürlich geht das!
Es braucht nur gegenüber startnext eine Person, die für den Betrag gerade steht. Ansonsten könnt ihr gerne eine Gruppe zusammen trommeln und ich bin für euch einen halben oder ganzen Tag persönlich vor Ort.
Ihre zweite Frage ging in Richtung der Reisekosten, die als zu verhandeln angegeben sind. Auch hier bin ich hochgradig flexibel und achte natürlich auf Eure Möglichkeiten!

Ich freue mich, wie wir gestartet sind! Jetzt braucht es alle, die die Inhalte von Affenmärchen und meine Art, sie zu vertreten gut finden.

Lasst uns Aufmerksamkeit erregen!

Grüße
Gebhard 

Alle Meldungen zur Operation Monkey Business könnt ihr hier lesen:

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In Masse intelligent Sinn finden anstatt gesund zu verdummen [1]

In der Geschichte werden die beiden Rollenbilder ersichtlich, die das gesunde Wirtschaften daran hindern, Zugang zur Massenintelligenz zu bekommen: Denkdelegierer und Denkregulierer. Mike ist ein Denkdelegierer. Es ist nicht so, dass er es nicht könnte, er will es einfach nicht mehr. In vielen Gesprächen höre ich dann die Feststellung: „Sehen sie, und genau deswegen funktionieren ihre Ideen auch nicht in der Praxis, die Menschen wollen doch gar nicht mitdenken!“ Das ist schon richtig, muss ich dann unumwunden zugeben, allerdings nur solange die Denkdelegierer in den Denkregulierern ihren Gegenpart finden. Solange diese spezifische Interaktion funktioniert, sind alle Beteiligten geblendet. Denkregulierer sind dann all jene, die sich voller Inbrunst über die Denkdelegierer ereifern und selbst keinen Millimeter von ihrer Regulierungsmacht abrücken. Es sind die Führungskräfte, Spezialisten, Experten und Superhirne, die es kaum ertragen können, dass irgend jemand über ihre Rückschlüsse und Erkenntnisse nachdenkt, vielleicht sogar wagt, sie in Frage zu stellen oder, noch schlimmer, einen Fehler darin entdeckt und eine Verbesserung beizutragen hat. Sie setzen sich in machtvolle formale oder informelle Nester und würden bei klarem Verstand nie öffentlich zugeben, dass sie selbst einer der wichtigsten Gründe dafür sind, dass all die Denkdelegierer mit ihrer Verantwortungsabgabe durchkommen. Sie halten das Prinzip der Unterordnung und seine mannigfaltigen Masken und Rechtfertigungen, denen Immo Sennewald in „Der menschliche Kosmos“ ein eigenes Kapitel widmet, für unverzichtbar. So sind sich beide in Einem absolut einig: Es muss einen geben der entscheidet und sagt wo‘s lang geht!

Zwischen Denken vorschreiben und es den anderen überlassen bilden sich Räume für gegenseitige Beschwerden und Schuldzuweisungen übereinander. Hier entsteht in allen gesund wirtschaftenden Unternehmen eine Art Gravitation. Bildlich kann man sie sich wie das schwimmende Gegengewicht in einem Wolkenkratzer vorstellen. Weithin unerkannt und fast unsichtbar stabilisiert es doch das gesamte Gebäude und bewahrt es davor einzustürzen. Auch krank wirtschaftende Systeme profitieren von der Dominanz der Denkregulierer – nur gibt es dort keine Denkdelegierer. Das Denken wird allen andern schlicht unter Androhung schwerer Strafen verboten und mit Umsetzung der Bestrafung faktisch entzogen. Wer möchte schon denken, geschweige denn den Mund aufmachen, wenn es schweres Leid auch für Familienangehörige, Kerker oder gar den Tod bedeutet. Die Stabilität entsteht hier, indem Sanktionen brachial durchgesetzt werden, sie lebt von der weiten Sichtbarkeit dieser Macht. Im gesunden Wirtschaften bedeutet entscheiden hingegen, dass alle den Eindruck haben, denken zu können und zu dürfen, wenn sie nur wollen. So steht es wohl jedem offen, Karriere zu machen, an die Schalthebel der Macht zu gelangen und mit diesem Schritt bei den Denkregulierern einzusteigen. Die Stabilität dieses Systems kommt nicht zuletzt aus dieser kleinen, aber doch vorhandenen Durchlässigkeit. Es ist so wie der Glaube an den Lottogewinn, der sich darauf begründet, dass immer irgendjemand gewinnt. Dabei übersehen wir gerne, wer hier äußerst zuverlässig und kontrolliert gewinnt – der Lotteriebetreiber.

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Eingeordnet unter 06 Masse mit Klasse, In Masse intelligent Sinn finden anstatt gesund zu verdummen

Master & Servant [2]

Ob Sie es glauben oder nicht, die Geschichte ist wahr und hat sich so zugetragen. Worum geht es dabei? Immo Sennewald nennt es in seinem Buch „Der menschliche Kosmos“ das Dominanzprinzip und beweist anhand der Goetheschen Metaphern »Leiden oder triumphieren« und »Amboss oder Hammer sein«, dessen kulturellen Rang. Andreas wird von der Verwaltung, einem identitätslosen Massenapparat, zum Amboss gemacht. Das kann er nicht auf sich sitzen lassen und probt den Aufstand mit dem Ziel, selbst Hammer zu werden. Jetzt wird der Chef von der Verwaltung zum Leidenden erklärt und versucht seinerseits zu triumphieren. Derweil haben Andreas‘ Mitarbeiter nicht einmal die Chance, in die Nähe des Hammers zu kommen. Gleich zwei zu Naturgesetzen erhobene Kulturphänomene macht diese Geschichte deutlich:
Erstens, das Prinzip des Siegens um jeden Preis. Es geht nicht um die Kosten, den Aufwand oder das Leid, das damit verursacht wird. Es geht um den Sieg. Keiner hat am Ende überprüft, ob die Aufwandsanalyse korrekt war und das Unternehmen an dieser Stelle wirklich Geld verschwendet hat. Schließlich ist klar, dass der Gewinner auf jeden Fall auch Recht hat: Das Recht des Stärkeren. Es ist immer noch Grundpfeiler der Alltagskultur. Die Machtfrage – die Entscheidung in der Frage „Wer – wen“ sagen Leninisten – sie geistert in allen irgend vorstellbaren Verkleidungen und Masken durch die Managementliteratur. Durch Verweise auf historische Vorbilder von Alexander bis Friedrich dem Großen, von Scharnhorst bis Steve Jobs befestigen karrieregeile Autoren die Einstellung: Zum Erfolg braucht es Dominanz.
Zweitens, Das Schuldprinzip von Ursache und Wirkung oder hier im Speziellen, die Fokussierung auf eine in der Vergangenheit durchgeführte Analyse – Leistungsmessung – zum Zweck der Handlungsveränderung in der Gegenwart – Mitarbeiterentlassung. Es wird nicht versucht die Ziele, Visionen und die Strategien von Andreas und seinen Mitarbeitern zu verstehen. Es wird nicht geschaut wo diese Menschen hin wollen, hin könnten. Stattdessen wird untersucht, was sie irgendwann einmal nicht gut genug gemacht haben, also woran sie schuld sind. Im Anschluss geht es dann darum, das „falsche“ Vergangene „richtig“ zu machen, zu korrigieren. Das gelänge, wenn wir via Zeitreise etwas in der Vergangenheit korrigieren könnten. Wir Menschen handeln allerdings immer in der Gegenwart in die Zukunft hinein. Selbst wenn wir einen vergangenen Fehler zu korrigieren versuchen, schaffen wir dadurch nur eine neue und andere Wirklichkeit. Auch das erörtert „Der menschliche Kosmos“, und er zeigt, wie unser fortwährend Zukunft und Vergangenheiten konstruierendes Gehirn uns auf Kausalität fixiert, auf fortwährende Suche nach Fehlern und Schuldigen. „Das älteste und unentbehrlichste Haustier des Menschen“, meint Sennewald lakonisch, „ist der Sündenbock“.
Wollen wir kooperativ und lebensbejahend zusammen arbeiten, gilt es, unsere Dogmen von Dominanz und Schuld zu verlassen. Lassen wir sie am Wegesrand zurück, haben wir die Wahl, ob wir in eine Konfrontation gehen, um auf Basis von Aggressivität, gar Destruktivität zu siegen und Recht zu haben oder auf Grundlage von Kooperation und Vitalität die Zukunft zu gestalten. Natürlich kann man uns Menschen auf Herren und Diener reduzieren, wer es nicht tut, schafft vor allem sich selbst neue Handlungs- und Möglichkeitsräume!

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Eingeordnet unter 03 Menschenbildstörung, Master and Servant