Archiv der Kategorie: Geschichten rund um Affenmärchen

100% sinngekoppelt arbeiten – ist das überhaupt möglich?

Anfang dieser Woche hatte ich ein interessantes Telefongespräch mit einem Leser von Affenmärchen. Er teilte mir mit: „Dein Buch hat einen nachdrücklichen Einfluss auf mein (Arbeits-)Leben!“

Meine Neugierde war geweckt. War der Einfluss positiv oder negativ und hat er sich nur theoretisch oder auch ganz praktisch bemerkbar gemacht?

So wurde meine Neugierde befriedigt:

Affenmärchen machte mich nachdenken über mich und meine persönliche Arbeitssituation. Schon seit einiger Zeit war ich damit nicht mehr zufrieden. Es ist nicht so, dass ich bei meiner Firma oder mit meinem Job regelrecht unglücklich wäre und doch fehlt Spaß, Freude und Zufriedenheit. Mit dem Buch wurde mir klar: Das ist auch und vor allem meine Verantwortung, nicht eine Erwartung, die ich nahezu vollständig an meine Führung delegieren kann.
Im ersten Moment half mir diese Erkenntnis nicht unbedingt weiter. Doch die Überlegungen ließen mich  auch nicht mehr los. Nach einigen Wochen traf ich eine Entscheidung. Ich sprach mich mit meinem Unternehmen ab und reduzierte meinen Vertrag auf 75%. Ziel dieser Entscheidung war es, 25% sinngekoppelt zu arbeiten. Für mich waren das Projekte, die durchaus wirtschaftlich sein sollten, allerdings vor allem von mir gewollt waren und mir Spaß und Zufriedenheit versprachen. Bereits nach einigen Wochen bestätigte sich diese Erwartung. In den 25% gewonnener Zeit hatte ich schnell berufliche Projekte, in denen und vor allem Menschen gefunden, mit denen ich mich erfüllen konnte!
Doch das war nicht alles. Ich bin jetzt nicht nur zu 25% sinngekoppelt und davon abgesehen als Statist am Schreibtisch unterwegs. Auch meine 75% Arbeitsstelle ist jetzt wieder spannender und macht mich zufrieden. Die Wechselwirkungen zwischen dem persönlich freien Engagement und der abhängigen Arbeit bereichern beide Seiten. Eine Entwicklung, die für mich 100%ig Sinn hat.

Ich freue mich, wenn mein Buch solche Geschichten hervor bringt! Es zeigt, dass Sinnkopplung keine alleinige Führungsaufgabe oder ein Vorhaben ist, vor dem man Ohnmächtig zu erstarren hat. Sich in Richtung Sinnkopplung zu entwickeln ist für nahezu Jede(n) in fast allen Arbeitssituationen in Deutschland möglich, wenn man möchte.

Für mich sind diese Aspekte an der Geschichte entscheidend:

  • Es ist ein Prozess! Zu erwarten, wenn man heute sinnentkoppelt unterwegs ist, dass man direkt zu 100% sinngekoppeltem Arbeiten switchen kann, blockiert mehr als dass es hilft.
  • Niemand muss auf seine Führung oder auf einen größeren Organisationswandel warten. Man kann für sich direkt anfangen.
  • Wenn ich in einem Teil meines Arbeitens Sinnkopplung erreiche, wirkt sich das auch positiv auf andere Aspekte meines Arbeitens aus.

Vielen Dank für diesen Einblick in die Konsequenzen aus der Lektüre von Affenmärchen. Sie bestärkt mich darin, ein lebendiges Pferd zu reiten.

Viele Grüße
Gebhard

PS: Wenn auch Sie eine Geschichte im Zusammenhang mit Affenmärchen und seinen Inhalten zu erzählen haben und dies nicht öffentlich im Blog tun möchten, nehmen Sie Kontakt zu mir persönlich auf!

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Jede(r) ist ein Universum – Die Natur des Menschen

Vor etwas mehr als zwei Wochen habe ich den Beitrag Fixstern Mensch geschrieben. In den Kommentaren hat Immo Sennewald darauf verwiesen, dass es sich bei einer menschzentrierten Betriebswirtschaft keineswegs um ein allgemein gültiges Menschenbild gehen kann. Stattdessen ist unsere Fähigkeit zentral, den Gegenüber als eigenständigen Menschen anzuerkennen, zu respektieren und damit betriebswirtschaftlich umzugehen.

In den vergangenen Tagen war ich an anderer Stelle erneut mit dem Thema Menschenbild konfrontiert. In dieser Auseinandersetzung ergab sich ein weiteres Bezugssystem, das hilft, Fragen rund um eine menschliche Betriebswirtschaft in meinem Verständnis besser zu verstehen. Ich nenne es das Magische Dreieck des Menschenbilds.

In den vielen Gesprächen, die ich bereits zu diesem Thema führen konnte, haben meine Gesprächspartner und ich doch in den allermeisten aneinander vorbei geredet. Und wenn nicht, lag das mehr an den geteilten Werten, denn an einem übertragbaren Menschenbild ;)!
Dieser Blindheit sind verschiedene unterschiedlich heftige und aus heutiger Sicht vermutlich vollkommen sinnentleerte Diskussionen geschuldet.Im Rahmen meiner aktuellsten Auseinandersetzung wurde etwas einfaches deutlich, dass ich dennoch all die Jahre nicht bewusst wahrgenommen habe.

Die Natur des Menschen: Im dritten Kapitel von Affenmärchen gehe ich den für mich maßgeblichen Fehlannahmen der Betriebswirtschaftslehre und aktuell häufig verbreiteten Hoffungsbotschaften bezüglich der Natur des Menschen nach. Ich objektiviere die Annahme, wonach Empathie für sich genommen schon ausreichend wäre, um die Welt zu retten. Gebe ein klares Statement gegen den Mainstream ab, wenn ich einen tagtäglich empirisch beobachtbaren Fakt ausspreche: Gewalt IST eine Lösung. Entlarve uns alle als irrational. Sage wir sind nur bedingt sowie eher zufällig zur Höchstleistung fähig. Und führe sowohl die X-Y-Theorie von McGregor aus wie das Dominanzprinzip von Immo Sennewald.

All diese Punkte beschäftigen sich mit der Natur des Menschen. Also mit Eigenschaften, die, wenn nicht alle, so doch die allermeisten Menschen teilen. Natürlich als Talent/ Fähigkeit mehr oder weniger stark ausgeprägt. Die Natur des Menschen ist an sich weder gut noch böse, weder betriebswirtschaftlich nützlich noch schädlich. Sie ist, was sie ist und wir augenblicklich darüber wissen/ davon verstanden haben.

Schnell und zumeist unbewusst gesellen sich zur Natur des Menschen ethische und moralische Ansprüche. Sie kommen aus dem Werte- und Erziehungssystem jeder einzelnen Person. Hier kommt die von Immo Sennewald erwähnte Polyzentrik zum ersten Mal zum tragen.

Ein Anspruch der Affenmärchen zugrunde liegt ist: Die Moral unserer Wirtschaft wird danach bewertet, inwieweit jeder Mensch sich in ihr sinnhaft erfüllt und erfüllen kann.
Dieser Anspruch ist alles andere als objektiv. Es ist meine Meinung und für mich ein hoher Wert. Wenn dieser für einen meiner Gesprächspartner nicht so relevant ist, haben wir den Verständnissalat. Denn ich habe das normalerweise kaum so bewusst formuliert wie heute hier.

Zu den Ansprüchen gesellen sich dann schnell noch persönliche Wertungen. So werte ich beispielsweise in Kapitel 7 die Notwendigkeit und den Nutzen von Herrn Ackermann – beispielhaft für verschiedene Vorstandsvorsitzende deutscher DAX-Unternehmen – für die Deutsche Bank doch eher gering. Und damit auch sein Verhalten als Mensch etc..

Auch diese Wertung ist natürlich subjektiv. Sie dürfte Herrn Ackermann in seinem Dasein kaum beeinflussen und hat schon mal gar nichts mit guten oder schlechten Menschen zu tun bzw. mit der Frage ob Herr Ackermann für das eine oder andere ein angebrachtes Beispiel ist. Auch hier ist es so – teilt jemand meine Bewertung nicht, haben wir den Verständnissalat.

Deshalb finde ich das Magische Dreieck des Menschenbilds, so banal es ist, als sehr hilfreich. Es macht mir bewusst, dass 2/3 meines und des Menschenbilds meines Gegenübers auf subjektiven Einstellungen und Annahmen beruht. Unsere Auseinandersetzung kann mit dieser Veranschaulichung effektiver und effizienter werden.

Für mich entscheidend ist:
Das Magische Dreieck des Menschenbilds ermöglicht einen kleinsten gemeinsamen Nenner für eine human zentrierte Betriebswirtschaft auch zwischen Menschen, die nicht dieselben moralischen Ansprüche und persönlichen Werte teilen. Das gelingt auf Basis der Natur des Menschen, die wir bis zu einem guten Maß objektivieren können!

Viele Grüße
Gebhard

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Affenmärchen – Die Kosten sachzentrierter Kommunikation

Im Rahmen meiner Gespräche rund um Affenmärchen wurde mir Folgendes berichtet:

In einem Unternehmen gibt es die zwei Standorte. In Standort A wird seit geraumer Zeit ein Produkt in Kleinserie herstellt. Ein Produktionsschritt ist dabei eine sehr spezifische Materialbehandlung. Für diese Aufgabe hat Standort A eine speziell ausgewählte und erprobte Maschine im Einsatz.

In unserer Geschichte fängt nun Standort B ebenfalls damit an, dasselbe Produkt in größerer Menge herzustellen. Dafür braucht Standort B eine geeignete Maschine. Sie soll an eine größere Produktionsmenge angepasst sein und nach einem erstellten Flächenplan in der Produktion aufgestellt werden. Ein Mitarbeiter aus B fragt bei der entsprechenden Führungskraft in A nach, welche Maschinen sie am  Standort verwenden sollen und wie die Herstellanweisung lautet. Er bekommt daraufhin via Mail die Antwort, welcher Typ in A verwendet wird, welche Anforderungen die Maschine erfüllen sollte und eine kleine Liste möglicher Alternativen.

Nach einiger Zeit antwortet der Mitarbeiter aus B, dass er eine Maschine gefunden hat, die wunderbar an den vorgesehenen Platz passt. Die gewählte Maschine erfüllt auf den ersten Blick die Anforderungen, entspricht aber nicht der Maschine aus Standort A und steht auch nicht auf der Liste der Alternativen. Die Führungskraft  aus A ist einigermaßen genervt und antwortet: „Ich habe euch eine Liste mit möglichen Maschinen gegeben und ihr habt die Herstellbeschreibung. Ob die von euch genannte Maschine verwendet werden kann, müsst ihr entscheiden.“

Damit ist der Austausch beendet. Die von dem Mitarbeiter aus B bevorzugte Maschine wird gekauft und die Produktion beginnt. Einige Zeit später sind:

  • 36 Mannmonate á ≈ 3.600 € = 129.600 €
  • Material ≈ 50.000 €
  • Eine Maschine ≈ 4.000 €

verbraucht.

Bei einer Unterhaltung in der Produktion in B fällt den Führungskräften aus A nun auf, dass die Maschine in Standort B sehr leise ist. Sie macht nicht das charakteristische Geräusch der Maschine in Standort A. Voller Interesse und Begeisterung schauen sich die Besucher die neue Flüstermaschine aus der Nähe an und stellen fest: Kein Wunder, der Maschine fehlt ein wesentliches Bauteil, dass Rüttelgeräusche verursacht! Äußerlich ist der Betrieb gleich und auch die Produkte aus der Maschine sehen in der ersten Prüfung gut aus, dennoch verfehlen die Endprodukte die notwendigen Qualitätsvorgaben klar!

Auf die Frage, warum sie eine solche Maschine gekauft haben, antworten die Mitarbeiter aus B: „Weil die Führungskraft aus A nicht widersprochen hat!“

In der Folge stellt sich die Maschine und die damit erstellten Produkte als unbrauchbar heraus. Nicht nur das Material und die Arbeitszeit (siehe oben) sind verloren. Zusätzlich muss noch Zeit aufgewandt werden, um die schlechten Produkte zu markieren, damit sie nicht verwechselt werden und zum Kunden gelangen. In dieser Zeit werden natürlich weniger gute Produkte hergestellt.

Finanziell ergibt sich ein Schaden von ca. 250.000 €.

Die Reflexion der Situation ergibt als wahrscheinlichste Erklärung:
Die Mitarbeiter von B wollten gerne eine Maschine kaufen, die auf einen vorhandenen Tisch im geplanten Produktionslayout passte  (vielleicht einige hundert Euro wert). Damit konnten sie vermeiden ob und ggf. wie sie den Produktionsbereich neu zu gestalten hatten. Die Auswahl wurde geprägt durch die gewünschten Abmessungen, alles andere wurde nur auf Erfüllung oberflächlicher Rahmenbedingungen wie etwa Leistung und Haltbarkeit geprüft. Was nicht eindeutig niedergeschrieben war, wurde nicht berücksichtigt.

Die übermittelte Prozessbeschreibung aus Standort A enthielt alle Informationen zur Durchführung. Allerdings erläuterte sie nicht den Sinn der Prozedur und enthielt keine detaillierte Maschinenbeschreibung. Dafür gab es schließlich eine Liste möglicher Maschinen.

Standort B ging davon aus, dass eine Maschine auch dann gewählt werden kann, wenn sie nicht auf der Vorschlagsliste steht. Warum also nicht eine Maschine wählen, die dorthin passt, wo sie hin soll? Es sagt ja keiner, dass diese Maschine nicht geeignet ist.

Für Standort A war es übertrieben aufwändig, den Prozess nochmals zu erläutern oder die von Standort B favorisierten Maschinen selbst auf Eignung zu prüfen. Die Maschine steht nicht auf der Liste, also ist die Frage der Eignung auch nicht von Standort A zu beantworten. Mehr gab es dazu nicht zu sagen.

Alle haben aus ihrer Sicht das Richtige gemacht.

Soweit zur Geschichte. Sie zeigt einige Aspekte, die ich auch in Affenmärchen aufgegriffen habe.

  • Zum einen, wie irrational wir Menschen sind und wie wenig Achtsamkeit wir auf dieses Tatsache verwenden.
    Nicht nur die Mitarbeiter aus B, die gerne die für sie einfachste Aufstellmöglichkeit als Hauptkriterium ansetzen –ihr ‚Wozu‘ erfüllen wollen– verhalten sich fern jeder Sachlichkeit.
    Auch die Reaktion der Führungskraft aus A trägt nicht zur Fehlerprävention bei. Sie fragt zu keinem Zeitpunkt nach. Stattdessen lehnt sie eine weitere Beteiligung am Auswahlprozess ab und verkennt dabei, dass in Standort B für die Entscheidungsfindung falsche Prioritäten ausschlaggebend sind.
  • Das Beispiel zeigt, wie teuer es ist, diese uns bekannte Menschlichkeit zu übergehen. In diesem Fall lässt sich der Betrag auch noch sehr gut auf seine Ursachen zurück ableiten. Häufig sind es allerdings Fehler die einfach passieren und im bestehenden System des Gesund-Krank-Wirtschaftens achselzuckend als unvermeidbar hingenommen werden. Niemand kann als Schuldiger identifiziert werden, da alle irgendwie Dreck am Stecken haben und so gibt es häufig schlicht eine Rüge oder ein vertretbares Bauernopfer.
  • Zu keiner Zeit fällt dem Management auf, dass die Zielsetzung des Mitarbeiters in Standort B falsch priorisiert ist. Durch die Vorgabe, einen guten Aufstellplatz für die Maschine zu finden, treten andere Vorgaben in den Hintergrund. Die Milchglasscheibe des Managements wird hier sehr deutlich. Ein Konflikt der Ziele tritt nicht auf was keine Neuausrichtung ermöglicht.
  • Im geschilderten Fall ist die intrinsische Motivation der Mitarbeiter aus B von den extern beeinflussenden Motivatoren klar getrennt. Das innere Ziel, ein störungsfreier Ablauf des Produktionsaufbaus nach Plan, dominiert die Entscheidung für den Kauf der Maschine. Wichtig ist dann nur noch, einige zentrale Leistungsparameter einzuhalten. Der eigentliche Sinn der Maschine steht im Hintergrund. Anders kann der Wille zur Tisch-Maschinen-Passung nicht sinnhaft erklärt werden.

Vielen Dank für diese Geschichte!
Gebhard Borck

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Der Fixstern MENSCH

Augenblicklich diskutiere ich im pm-Blog angeregt über die Frage, ob das in Affenmärchen vorgestellte Bezugssystem des sinnvollen Wirtschaftens die Kenntnis des bestehenden Bezugssystems Krank-Gesund-Wirtschaften braucht oder nicht.

Dabei ist mir in meiner eigenen Wahrnehmung ein derart wertvoller Kommentar aus der Feder gequollen, dass ich den entscheidenden Teil hier zu einem Blogpost machen möchte:

“Sinnvoll Wirtschaften” ist kein Modell!
Es ist eine Einladung und ein anderes Bezugssystem. Sprich ein anderer Rahmen um über die selben Probleme nachzudenken. Mit dem neuen Denkbezug allerdings zu anderen Lösungen zu kommen.

Zur Veranschaulichung gehe ich ein wenig in der Geschichte zurück. Es gab einmal die verbreitete Meinung, dass die Erde das Zentrum des Universum sei und alles um sie kreisen würde. Dieses Bezugssystem war damals ausreichend, um eine Vielzahl der beobachteten Phänomene in der Welt zu beschreiben. Es war allerdings gänzlich ungeeignet, die Bahnen der Planeten und Sterne zu erklären. So entwickelte sich die Annahme, die sich später als Wahr heraus stellte, dass die Sonne das Zentrum des Universums ist, um das alles andere kreist.

So den zentralen Bezugspunkt verändernd, haben wir neue Perspektiven gewonnen. Wie wir heute wissen, wurde dadurch weit mehr als nur die Berechnung der Sternen- und Planetenbahnen in ein völlig anderes Bezugssystem gesetzt.

Hier kommen wir zum “Entweder Oder” bzw. zum „Sowohl-Als-Auch“. Bis heute kenne ich niemanden der seither versucht hat, ein Bezugssystem zu entwickeln, in dem sowohl Erde als auch Sonne im Zentrum des Universums stehen!

Das stellt auf keinen Fall die Anwendbarkeit eines ‚Sowohl als Auch‘ in Abrede. Alle Probleme, die uns heute begegnen, können sowohl im bestehenden Bezugssystem des Krank-Gesund-Wirtschaftens (geozentrisch) eine Lösung finden als auch im Bezugssystem des sinnvollen Wirtschaftens (heliozentrisch) – Der Apfel fällt vom Baum, egal ob wir das Universum erd- oder sonnenzentriert in Beziehung setzen.
Am Beginn der Entstehung von „sinnvoll Wirtschaften“ diskutierte ich genau diesen Aspekt. Denn auch ich war von der “Sowohl-Als-Auch” Fraktion.

Was mir daran nicht gefiel? Die Beliebigkeit und der einigermaßen hohe Grad an Orientierungslosigkeit.

Deshalb machten meine Kollegen und ich uns ganz gezielt auf die Suche nach einem “Entweder Oder”, das als zentraler Bezugspunkt/ Fixstern taugt. Denn es ist viel wertvoller, ein ‚Entweder Oder‘ zu finden, als sich in 1.000.000 ‚Sowohl-Als-Auchs‘ zu verlieren.

Es hat uns einige Zeit gekostet, dann haben wir die Unterscheidung Sache (Welt) – Mensch (Sonne) gefunden und erkannt: Die Dinge kreisen um die Menschen und nicht umgekehrt.

Aus diesem Gedanken heraus ist der Name für das neue Bezugssystem sinnvoll Wirtschaften entstanden. In ihm verdeutlichen wir: Jede(r) Mensch hat einen eigenen Sinn, die Dinge erhalten ihren Sinn durch uns Menschen.

Das ist unser zugrunde liegenes und gewichtiges Entweder Oder. Es gibt uns Bezug und Orientierung. In unserer Wertschätzung für diese Entdeckung verteidigen wir sie vehement und polarisierend!

Wir brauchen an dieser Stelle kein Reifegrad-Modell – wie im Blog diskutiert -, nach dem wir zuerst das bestehende Bezugssystem verstehen müssen, um sinnvoll Wirtschaften zu können. Wie gesagt fällt der Apfel vom Baum, sowohl geo- wie auch heliozentrisch.

Was ich zur Verbesserung der Wirtschaft beitragen will ist zu verstehen, wie man Werte schöpft, in dem sich die Dinge um die Menschen drehen und nicht umgekehrt, wie heute üblich.

Ich habe erkannt: Diesen anderen Bezugspunkt und das damit zusammenhängende -system zu akzeptieren ist nicht einfach – Denn es ergeben sich daraus weitreichende und auch gerade persönliche Konsequenzen – für alle und jede(n) – egal wo auf der Welt, egal in welcher Position.

Wenn es uns dabei an Reife fehlt, dann an der zur Einsicht, Demut und Wachsamkeit.

Für mich hat die Diskussion so einiges geklärt, ich hoffe für Euch auch!

Altjahresgrüße
Gebhard

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„verhärtete Armut“ – Arbeit ≠ Wohlstand!

Drei Fragen an Ulrich Schneider zum Armutsbericht 2011 des Paritätischen.

Heute morgen habe ich im Deutschlandradio unterschiedliche Pressestimmen zum aktuell veröffentlichten Armutsbericht des paritätischen Wohlfahrtsverbandes gehört. Alle sind sich in ihrer Überraschung einig, dass nun Nordrhein-Westfahlen und hier speziell der Ruhrpott die rote Laterne der Armutsentwicklung hält.

Was mich viel mehr berührte sind ganz andere Punkte, auf die der Paritätische Wohlfahrtsverband auf seiner Webseite hinweist:

  • selbst starke wirtschaftskonjunkturelle Ausschläge haben kaum Einfluss auf die Armutsentwicklung.
  • Gute Konjunkturen werden politisch nicht mehr genutzt, um die Schere zwischen Arm und Reich zu verringern.
  • Das Phänomen der „verhärteten Armut“ kann schon bald zu sozialen Unruhen führen (Anm. des Bloggers).

Was bedeutet das? Es zeigt:

  • Eine bessere Konjunktur kommt nicht mehr bei den niedrigen Einkommen und Sozialhilfeempfängern an.
  • Die Einkommensschere ist derart weit auseinander, dass nicht einmal mehr gesamtwirtschaftlicher Erfolg etwas an der Verteilung zwischen Arm und Reich verändert – vergleiche hierzu Kapitel 5 von Affenmärchen.

Und damit ist ein bisheriges Marktgesetzt außer Kraft. Die neue Formel, die wir gegen unsere Pseudorationalität anerkennen sollten lautet:


Es bleibt spannend!

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Vom Privileg ist es nur eine Buchseite bis zum Makel

Sonntags reden, Montags MeetingErich Feldmeiers aktuelles Buch „Sonntags reden, Montags Meeting“ beinhaltet eine Seite, die einen ganz bestimmten Teil meines Lebens, den ich als Privileg empfinde, ggf. zum Makel macht. Zum Inhalt der Buchseite kommen wir gleich, erst einmal möchte ich mein Privileg beschreiben:

Aufgrund meiner Selbständigkeit habe ich die Möglichkeit dann einkaufen zu gehen, wenn der normale Mensch arbeitet. So kann man mich in unserem Heimatort durchaus an einem Mittwoch Vormittag um 10:22 im lebensnahen Drogeriemarkt treffen. Den Einkaufswagen voll mit Windeln, Feuchttüchern, Putzmitteln, Schampoos, Deosticks, Toilettenpapier und dergleichen Haushaltsutensilien mehr. Kurz darauf stehe ich beim Metzger, den ich noch aus der gemeinsamen Schulzeit kenne. Beide haben wir dann Zeit für einen kleinen Schwatz über die Kinder oder den letzten Urlaub. Ganz ohne die werktäglich abends oder Samstagvormittags anstehende Schlage der erwerbstätigen Normalkunden.

So bin ich die letzen Jahre weltfremd – wie mir Erich Feldmeier aufgezeigt hat – durch die Welt stolziert.

Sonntags reden, Montags Meeting setzt sich mit den Erklärungen auseinander, warum sich trotz der absoluten Offensichtlichkeit, dass in der Welt, wo auch immer man hinschaut, einiges ordentlich schief läuft, dennoch nichts ändert. Was das mit beratungsresistenten Silberrücken zu tun hat, lest selbst in seinem Buch nach!

Für mich relevant ist Seite 54. Hier schreibt er:

Den zweiten Teil des Versuchs führen wir aus Zeitgründen selbst durch. Wir (männlich) fahren vormittags mit den „Desperate Houswives“ beim Drogeriemarkt vor. … Wir decken uns reichlich mit Klopapier, Windeln und dergleichen nützlichen Alltagsdingen ein. -Genau mein höchst privilegiertes Verhalten ;)- Die Beobachtung aus dem Laborjournal lautet: Im besten Fall wird man bedauert oder ignoriert, im Regelfall jedoch verachtet, zumindest in den uns wohlbekannten Dörfern und Vorstädten -genau dort, wo ich lebe -. Den wollen wir nicht geschenkt haben“, kann man in den Gesichtern der anwesenden Damen lesen.

Er unterstreicht seine Rechercheerkenntnisse unter anderem mit folgendem Zitat:

Woinoff, der zugunsten seiner Frau und der zwei Töchter nur dreieinhalb Tage in der Woche arbeitet, kennt selbst die mitleidigen Blicke der Hausfrauen, wenn er an einem Wochentag vormittags in den Supermarkt geht und den Familieneinkauf erledigt -ist mir auch schon unter gekommen-: ‚Der ist wohl arbeitslos‘, signalisieren die Blicke.
Stefan Woinoff, in: Die ZEIT, 09.10.2009

So schnell wird aus Genuss Misstrauen. Beim nächsten vormittäglichen Einkauf werde ich genauer auf den Ausdruck, die Blicke und die Körpersprache der Menschen achten, die sich mit mir den Raum zwischen den Regalen teilen.

Mal sehen, ob ich mir mein Privileg erhalten kann?!

Gruß
Gebhard

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Respekt?!

In einem Telefongespräch über Affenmärchen kamen mein Gesprächspartner und ich auf folgende Gedanken:

Mein Gesprächspartner: „Ich möchte niemandem reinreden. Ich verstehe, dass jeder in seinem Handeln frei sein sollte, sprich: Jede(r) sollte tun und lassen können, was er/ sie möchte. Dennoch sollte man so langsam einige Grundlagen verstehen, an denen wir nicht vorbei kommen, wie etwa die Tatsache, dass wir alle im selben Ökosystem leben oder dass unbegrenztes Wachstum lebendige Systeme zerstört.

Kurz: Alle können manchen was sie wollen, solange sie verstehen, dass einiges einfach nicht (mehr) geht.

Meine Antwort: „Ich möchte ganz explizit, dass viele Menschen ihr Verhalten ändern. Allerdings erkenne und akzeptiere ich, dass ich darauf fast keinen Einfluss habe.

Kurz: Ich will, dass die Menschen gefälligst tun, was ich für richtig und sinnvoll halte, respektiere allerdings, dass ich darauf kaum oder gar keinen Einfluss habe.

Nachdem ich nun einige Tage über dieses Gespräch nachdenke, freue ich mich zunehmend über die Möglichkeit, Sinnkopplung und was damit zusammen hängt, auf einen weitere Art und Weise erläutern zu können.

Es geht um unsere innere Haltung!
Mein Gesprächspartner nimmt zumindest unbewusst an – bewusst unterstelle ich es ihm nicht:
Wenn er nur wollte, könnte er sehr wohl gezielt Einfluss auf andere nehmen. Er kann sie dann zur Handlungsveränderung zwingen und so eine bessere Welt erreichen. Er stellt allerdings – weiterhin unbewusst – die Freiheit der anderen als Zugeständnis über seine gegebene Durchsetzungsgewalt. Als Ergebnis versucht er Veränderung zu erreichen, indem er die anderen von der Richtigkeit seiner Erkenntnisse überzeugt. All diese Annahmen sind typisch für das vorherrschende Führungsverständnis in Unternehmen und darüber hinaus.

Aus den Erkenntnissen im Umgang mit Sinnkopplung sehe ich es genau anders herum:
Ich will und versuche ständig gezielt Einfluss auf andere Menschen zu nehmen. Ich will eine Verhaltensveränderung bei ihnen erreichen. Allerdings habe ich erkannt, dass ich sinnhaft keine konstruktive Durchsetzungsmacht habe. Wenn der/ die andere nicht will, brauche ich eine erhebliche Energie, um mir die entsprechende Durchsetzungsgewalt aufzubauen.

In Unternehmen und Organisationen kann – folgt man diesen Gedanken – geschaut werden, wo die Energie/ Kraft des Unternehmens hin fließt. In eine Sprache, Riten und Systematiken, die Durchsetzungsgewalt schaffen oder die freiwillige Kooperation ermöglichen?

So lässt sich der Systemwandel oder Nichtwandel erkennen!

Danke, lieber Gesprächspartner, für diese Gedanken!

Beste Grüsse
Gebhard

PS: Mehr zur inneren Haltung für Veränderung findet sich hier.

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Hochschlafen kann man sich überall!

Eine wunderbare Geschichte zur Dummheit von Organisationen, die sich an klare Regeln anstatt an Kommunikation und Aufmerksamkeit halten. Sie hat sich glaubhaft so zugetragen, da sie vom Erzähler selbst und verschiedenen Kollegen bestätigt wurde.

Gerne wollte ich in einem Industriebetrieb arbeiten. Vorgabe für eine Einstellung war allerdings, dass man eine Empfehlung eines Mitarbeiters vorweisen konnte. Diese Empfehlung hatte ich nicht und ich kannte auch keinen Mitarbeiter persönlich, der mir eine solche gegeben hätte.
Was konnte ich anbieten? Meine Fachkenntnis, mein Studienabschluss, meine Teamfähigkeit, meine Motivation? All das wurde ohne Empfehlung nicht berücksichtigt. Wie also diese Hürde nehmen?
Am Ende brachten meine Jugend und die Langeweile der Frau eines Abteilungsleiters die Lösung. Mit der Frau begann ich eine Affäre und wurde so zu einem Freund der Familie. Schon bald sprach mir ihr Mann die Empfehlung aus und ich erhielt meine Anstellung.

Was sagt man dazu. Sex für die Karriere funktioniert auch in traditionell angestaubten Industrieunternehmen und ist beileibe keine allein weibliche Domäne.

Grüsse
Gebhard

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Vorsicht Hierarchie-Gift … toxische Affenmärchen-Geschichten

1. Geschichte: Schneller Urlaub als man glaubt

Die erste Geschichte zu toxischen Affenmärchen, die wirklich passiert sind ist bereits eingegangen. Hier die Geschichte:

Es ist schon einige Zeit her als ich noch Führungskraft in einem größeren, streng hierarchischen Unternehmen war (Vorstand – Bereichschef – dann ich). Ein Kollege hatte in einer kniffligen Angelegenheit unseren gemeinsamen Chef übergangen und direkt den Vorstand angesprochen.
2 Tage später wurde er fristlos entlassen (formal beurlaubt) und musste seinen Schreibtisch unter Bewachung des Sicherheitspersonals aufräumen, Ausweis abgeben und sofort die Firma verlassen.
Als Loyalitätstest sollte ich den Rausschmiss überwachen, das habe ich verweigert in dem ich meinem Chef nach Erhalt des Befehls gesagt habe, dass ich kündige.

Wenn ich richtig informiert bin, ist der Erzähler der Geschichte seither selbständig und mit dieser Entscheidung sehr zufrieden.

Meine Fragen zu dieser Geschichte:

  • Was kommt Euch an der Geschichte unstimmig vor?
  • Versteht jemand die Führungskräfte, die hier einem Menschen die Existenz wegnehmen?
  • Was haltet ihr von der Entscheidung des Erzählers zu kündigen – wer würde sich ähnlich (inkl. der Risiken) entscheiden?

Ich freue mich auf die Auseinandersetzung über die Erzählung und auf mehr Geschichten!

Gruß Gebhard

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Ist Affenmärchen toxisch?

Hallo alle zusammen,

seit vorgestern stelle ich mir diese Frage, denn vorgestern wurde ich gebeten, den letzten Beitrag aus dem Blog zu löschen.

Ich bin mit diesem Beitrag zugegebenermaßen ein wenig vorausgeeilt und habe die Geschichte schneller online gestellt, als es meinem Gesprächspartner lieb war. Ich entschuldige mich dafür und bedanke mich gleichzeitig für die Aufgeschlossenheit, mit mir ganz normal zu sprechen.
Ohne Vorwürfe oder Sündenbockanzeigen haben wir uns darauf geeinigt, dass ich den letzten Beitrag lösche. Also an alle, die diesen Artikel irgend wann einmal lesen werden – Pech gehabt, ihr werdet die Neugierde mit ins Grab nehmen oder jemanden finden müssen, der den Originalpost in seinem Postfach aufgehoben hat.

Nichtsdestotrotz ist mir in diesem Zusammenhang noch eine andere Idee gekomen. Wer hat Lust mir seine Geschichte rund um Affenmärchen zu erzählen, die ich dann im Blog redigiert veröffentlichen kann.

Es geht nicht darum Namen zu nennen oder Unternehmen an den Pranger zu stellen. Vielmehr geht es um spannende und reale Geschichten rund um die Themen des Buchs. Ich freue mich, wenn jemand in diesem Sinne den Kontakt zu mir aufnimmt oder jemandem, der eine für unsere Themen interessante Geschichte zu erzählen hat empfiehlt, es zu tun!

Viele Grüsse
Gebhard

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