Ich veröffentliche aus Gewissensgründen – hier steht die Geschichte des Buchs
Wozu ein Sachbuch schreiben?
Von Niels Pfläging habe ich gelernt: Ein Sachbuch ist die günstigste, qualitativ beste und vor allem nützlichste Form, als Berater bekannt zu werden und von mehr Menschen gefunden zu werden, als nur von engen Freunden, Bekannten und ersten Kunden.
Auf meinem Weg zum Buch habe ich gelernt: Ein Buch zu schreiben hilft zudem ganz außerordentlich dabei, die eigenen Gedanken klarer zu fassen, sich sinnvoll zu hinterfragen sowie den eigenen und auch einigen fremden Dämonen etwas Werthaltiges entgegen zu setzen.
Wie bekommt mein Buch eine Chance?
Renommierte Verlage lehnen jährlich weit über 90% aller Buchprojekte ab, die ihnen vorgelegt werden. Nimmt man dann noch die Bücher von bereits etablierten Autoren heraus, ergibt sich: Einen renommierten Verlag für ein eigenes Buch zu bekommen, ist wie ein kleiner Lotteriegewinn.
Anders als beim Lottospielen kann man im Buchmarkt seine Chancen deutlich verbessern, in dem man sich professionelle Unterstützung holt. Mein Profi heißt Oliver Gorus. Er selbst hat ein äußerst nützliches Buch geschrieben „Erfolgreich als Sachbuchautor“ und ist vollumfänglich empfehlenswert, trägt man sich mit dem Gedanken, ein Sachbuch zu veröffentlichen.
Was ist zu tun?
Bloß nicht einfach drauflos schreiben – weiter unten erkläre ich, warum ich es dann doch gemacht habe
! Ein gutes Sachbuch zu schreiben ist viel Arbeit (reflektieren, kritisieren, recherchieren, gliedern, argumentieren, denken und zu guter Letzt schreiben). Da sollte man sich sicher sein, dass es einem mehr bringt als ein Autorenhonorar, denn das ist doch eher lausig, falls überhaupt vorhanden. Also, erst einmal ein Probekapitel, dann eine ausführliche Gliederung, ein ansprechender Arbeitstitel, ein aussagekräftiges Exposé usw. usw. – steht alles im Buch von Oliver.
Mein Arbeitstitel im Mai 2009 war: Massenentlassung - Warum Sie Ihr Personal frei setzen müssen, um radikal erfolgreich zu sein – zum Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise und bei hunderttausenden von gefährdeten Jobs ein echter Hingucker, waren wir alle überzeugt.
Die Gliederung war und ist alles andere als Mainstream.
Das Exposé adressierte eine ausreichend große Zielgruppe ohne beliebig zu sein und proklamierte die schlichte Frage: Wie organisieren wir Arbeit im 21. Jahrhundert. Es versprach zehn provozierende Kapitel, die den Leser aus den gewohnten Denkbahnen werfen.
Sechs Monate und über zwanzig Verlage (keine Sorge, alle renommierten waren dabei) später war klar: Niemand wollte mein Werk veröffentlichen!
Das ist an sich nicht überraschend, behält man im Hinterkopf, dass nur ein einstelliger Prozentanteil aller den Verlagen vorgelegten Buchprojekten auch zu Büchern werden. Es wäre noch weniger überraschend, hätte ich selbst versucht einen Verlag zu finden oder einen Agenten genommen, den zum einen niemand in diesem Business kennt und der zum anderen noch keine Autorenvermittlungen mit durchaus provokanten Themen vorweist. Doch all das ist nicht der Fall.
Natürlich würde es auch nicht überraschen, wenn das Exposé, das Probekapitel und die Gliederung inhaltlich und handwerklich schlecht gemacht worden wären oder der Autor – also ich – auf Gedeih und Verderb an seiner Gliederung oder seinem Arbeitstitel hängen würde. Auch das war nicht der Fall. Was also war der Fall?
Aus den persönlichen Gesprächen mit den Redaktionsleitungen der Verlage lassen sich folgende, ähnliche Aussagen zusammenfassen: „Das Thema ist aktuell und marktgängig, das Probekapitel ist gut und der Autor ist so gut wie jeder andere, dennoch können wir das Buch aus Gewissensgründen nicht verlegen.“
Ein Buch gegen die Verlagswelt
Warum will ich das Buch jetzt erst recht zu schreiben und die Entscheidung nicht einfach hinzunehmen?
Weil es keinerlei inhaltliche Kritik gab. Keinen Kommentar, was anzupassen oder zu verbessern wäre und auch keine belastbare Aussage, was am Autor auszusetzen oder zu verändern ist. Reaktionen mit Aussagen dazu hätten zumindest den Erfahrungen meines Agenten entsprochen.
Will heißen, so sind sich alle einig, die bis dahin am Buchprojekt mitgearbeitet hatten: Die Verlage haben nicht den Mut, das Thema des Buchs zu verlegen. Sie haben nicht den Mut, eine Sichtweise außerhalb der bekannten Schemata von Homo oeconomicus oder Gutmenschen, Konservativen oder Progressiven, Rechten oder Linken, Neo Liberalen oder Sozialisten zu publizieren.
Das war für mich der Grund, das Buch zu schreiben!
Allerdings wollte ich kein „Ich hau mal meine Meinung raus“-Werk in die Welt krakelen. Vielmehr wollte ich in einem Prozess mit Lektoren und inhaltlichem Sparring ein reflektiertes und professionelles Sachbuch schreiben.
Mit diesem Anspruch machte ich mich auf die Suche nach Unterstützung. Zuerst fand ich sie in meinen Kollegen, Andreas Zeuch und Markus Stegfellner. Sie unterstützen meinen Willen, indem ich mir die Zeit fürs Schreiben nehmen konnte und damit in weniger Projekten und Handlungsfeldern der gemeinsamen Firma unterwegs war. Wohlgemerkt, ohne einen Verlag zu haben.
Andreas Zeuch hat zudem den Part des kritischen Mitdenkens übernommen und jedes Kapitel inhaltlich und sprachlich für mich kritisiert, mit mir diskutiert und damit erheblich qualitativ verbessert. Während des Schreibens stieg auch noch Immo Sennewald mit ein, der mich inhaltlich und vor allem stilistisch auf ein professionelles Niveau gehoben hat. Außerdem konnte ich zwölf Probeleser gewinnen, die mir immer wieder gespiegelt haben, wie ein möglicher Konsument das Werk versteht oder eben auch nicht. Diese zwölf geben zudem meiner Hoffnung Nahrung, dass ich dieses Buch nicht für mich selbst geschrieben habe und es tatsächlich einen Nutzen für seine Leser bietet.
Aufgrund unserer Zusammenarbeit ist das Buch fertig geworden und kann nun veröffentlich werden.
Wie und warum es in einem Blog veröffentlicht wird, steht hier.

Hallo Sandra,
vielen Dank für den Hinweis. Ist mit EWK-Verlag dieser hier gemeint: http://www.ewk-verlag.de?
Wenn ich mir seine Bedingungen durchlese, lese ich nichts anderes als ich bei großen Verlagen auch gelesen habe. Der einzige Unterschied mag in den geringen Auflagen zu akzeptablen Kosten liegen. Dazu kann ich meinen Beitrag im Literaturcafé (http://www.literaturcafe.de/sachbuch-vergesst-print-on-demand-und-pfeift-auf-verlage-selbst-ist-der-autor/) empfehlen. In diesem beziehe ich klar Stellung, dass man für akzeptable Kosten bei geringen Auflagen keinen Verlag braucht.
Wir freuen uns inzwischen den Weg des Selbstverlags gegangen zu sein und dabei festgestellt zu haben: Es ist gar nicht so schwer!
Grüße
Gebhard
Lieber Gebhard,
Ich will jetzt nicht aufdringlich sein, habe ja grad vorhin eine Mail geschrieben, aber: Hast du es auch beim EWK-Verlag versucht?
Sandra